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Das deutsche Champions-League-Aus

Das deutsche Champions-League-Aus

Photo by Fachry Zella Devandra

Historisch! Zum ersten Mal seit 13 Jahren steht in einer Champions-League Viertelfinalrunde keine einzige deutsche Mannschaft auf dem Platz. Dies ist eine beispiellose Demonstration der aktuellen Situation des deutschen Fußballs, der sich momentan international, aber auch national in einem erkennbaren Abschwung befindet. In diesem Artikel möchten wir die letzten Spiele der Champions-League näher betrachten, die diese Kehrtwende ermöglicht haben.

 

Ein folgenschwerer Patzer

Für die Jungs vom BVB begann alles in der zweiten Halbzeit des Hinspiels gegen Tottenham am 13. Februar. Nach einer eigentlich starken ersten Halbzeit gaben die Dortmunder das Heft aus der Hand und kassierten einen Treffer nach dem anderen. Am Ende der Partie stand es 3:0 für Tottenham. Mit diesem Vorsprung würde es Dortmund im Rückspiel sehr schwer haben, das Viertelfinale zu erreichen. 3 Tore allein für die Qualifikation zur Verlängerung und ein weiteres für den Sieg mussten her. Es blieb nur noch die Hoffnung auf ein Wunder übrig, so titelte zumindest das Wett-Vergleichsportal Oddschecker. Trotz Heimspiel-Vorteil blieb dieses jedoch aus, dazu aber später mehr.

 

Ein Kampf um die Doppel-Null

Auch bei den Bayern lief es schon von Anfang an nicht so rund wie erwartet. Bei ihrem Auftakt gegen die starke 11 aus Liverpool, inklusive Zehntausenden ihrer Fans im berüchtigten Anfield Stadion, erarbeiteten sie sich ein knappes Null-zu-Null. Der FCB war schon zu Beginn durch das Fehlen von Jérôme Boateng und Leon Goretzka im Nachteil und schaffte es auch nicht, ein Auswärtstor für das Rückspiel zu erzielen. Damit blieb es ein spannendes Defensivspiel.

 

Typisch Schalke

Der Dritte im Bunde scheiterte einen Tag später mit einem ganz unglücklichen Dreher in letzter Minute. Zuvor hatte sich der Ruhrgebietsverein besser geschlagen als seine beiden stärkeren deutschen Mitstreiter zuvor. Erst drehten sie ein frühes 1:0 von ManCity durch zwei verwandelte Elfmeter in eine Führung um und verteidigten dann in der zweiten Hälfte engagiert ihren Vorsprung. Der Ausgleich kam erst in der 85. Minute, Schalke war da wegen eines Platzverweises bereits in der Überzahl. Dann, quasi mit dem Schlusspfiff, steckte Raheem Sterling den Ball doch noch mal in das Gelsenkirchener Tor. Pech? Vielleicht. Doch so ist der Fußball…und auch ein bisschen Schalke.

 

Lloris, Lloris, immer Lloris

Im Rückspiel des BVB gegen Tottenham Anfang März sollte das Wunder kommen und scheiterte am übermächtigen Spurs-Keeper Hugo Lloris, der jede noch so gute Chance der Dortmunder vereitelte. Fünf (!) Torchancen hatten die Gastgeber im Signal Iduna Park in der ersten Halbzeit, einmal gleich dreimal innerhalb von einer Minute. Tottenham zeigte sich hingegen vollständig defensiv. Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte Harry Kane dann keine Lust mehr auf Defensivtaktik und schnalzte den Ball fast frontal ins Netz des BVB. Danach war Dortmund gebrochen.

 

Zwei Ohrfeigen für Tedesco

Das Rückspiel des vormaligen Hoffnungsträgers Schalke endete in einer Komplettkatastrophe. Tedescos Elf kam bereits mit sechs Niederlagen im Gepäck nach Manchester, Manchester dagegen erwartete sie mit neun Siegen. Mit einem krachenden 7:0 für Manchester rechnete aber keiner und so war Schalke nicht nur mit einer Ohrfeige aus dem Turnier ausgeschieden, sondern hatte auch versäumt dies mit jeder erdenklichen verbleibenden Würde zu tun. Die Defensive, die Dortmund gegen Tottenham noch gefehlt hatte, zeigten die Blau-Weißen zwar (zu Beginn), allerdings war diese nach dem ersten Gegentreffer in einem beispiellosen Spannungsverlust wie ausgelöscht.

 

Schwache Bayern

Das deutsche Aus in der Champions-League komplettierten schließlich die Bayern, die am nächsten Tag verdient mit einem 1:3 aus dem Turnier ausschieden. In der ersten Halbzeit egalisierten sie noch einen Rückstand, mussten aber in der zweiten Hälfte in die Offensive gehen. Dies nutzte Liverpool und konterte zum 3:1 Endstand.

 

Photo by FrodeCJ, Lizenz: CC0 Creative Commons

Der deutsche Fußball hat sich aus der Weltspitze verabschiedet. Dies liegt nicht nur an offensichtlichen Problemen in der Defensive oder schlicht an fehlenden Toren, um in der Königsklasse mitspielen zu können. Die Konkurrenz, insbesondere die Premier League, hat aufgeholt und gerade der moderne Fußball, ist kein deutsches Markenzeichen mehr. Das Argument des Geldes zieht hier nur unzureichend. Reich waren die deutschen Clubs im internationalen Vergleich noch nie, besseren (und erfolgreicheren) Fußball haben sie hingegen bereits gespielt.